Woran glaubst du?

Predigt zu Johannes 5,39-47 

Woran glaubst Du?

Jesus stellt die Frage.

Und mehr. Er fragt: Glaubst du mir?

Glaubst du, dass ich von Gott komme?

 

 

Wer mein Wort hört und glaubt dem, der mich gesandt hat,

der hat das ewige Leben.

Jesus fordert heraus mit seinem Anspruch.

Schon damals in seinem Umfeld führt das zu Konflikten.

Selbst ein Jude, sagt Jesus anderen jüdischen Gläubigen:

Ihr erforscht die Schriften,

weil ihr meint, in ihnen ewiges Leben zu haben

– und sie sind es auch, die Zeugnis über mich ablegen -,

und doch wollt ihr nicht zu mir kommen, um Leben zu haben.

Ehre empfange ich nicht von Menschen,

(aber) ich habe euch erkannt und weiss,

dass ihr die Liebe Gottes nicht in euch habt.

Ich bin im Namen meines Vaters gekommen,

und ihr nehmt mich nicht auf;

kommt aber ein anderer in eigenem Namen, so nehmt ihr ihn auf!

Wie könnt ihr zum Glauben kommen,

wenn ihr Ehre voneinander empfangt und nicht die Ehre sucht,

die vom alleinigen Gott kommt?

Meint nicht, dass ich euch beim Vater anklagen werde;

euer Ankläger ist Mose, auf den ihr eure Hoffnung gesetzt habt.

Wenn ihr Mose glaubtet, würdet ihr mir glauben,

denn er hat über mich geschrieben.

Wenn ihr aber seinen Schriften nicht glaubt,

wie könnt ihr dann meinen Worten glauben?

(Predigttext aus Johannes 5,39-47 Übersetzung: Zürcher Bibel)

 

Ich bin eigentlich immer dafür, anderen ihren Glauben zu glauben.

Auch wenn ihre Überzeugungen noch so anders klingen,

wenn ihre Worte ganz andere sind,

ihre Hoffnungsbilder mir völlig fremd erscheinen.

Ich will niemandem seinen Glauben absprechen.

Deshalb stolpere ich auch über die Worte Jesu.

ihr habt die Liebe Gottes nicht in euch …

euer Ankläger ist Mose …

Es ist das vorläufige Ende einer Auseinandersetzung.

Danach ging Jesus weg (…).

Vielleicht musste Jesus sich tatsächlich in Sicherheit bringen.

Seine scharfen Worte treffen nicht irgendwelche Kritiker,

sondern Menschen, die ihm nach dem Leben trachten.

Der Streit ist bereits so weit eskaliert.

Am Anfang steht eine wundervolle, heilsame Erfahrung:

Johannes erzählt in Kapitel 5 von der Heilung eines gelähmten Mannes,

der schon seit 38 Jahren an einem Teich liegt,

dem man heilende Kräfte nachsagt.

Dann kommt Jesus und heilt den Mann.

Steh auf, nimm dein Bett und geh!

Aber es ist Sabbat, heiliger Ruhetag.

Ganz falscher Zeitpunkt, um sein Bett zu nehmen.

Hätte er es bloß liegen lassen und am nächsten Tag abgeholt.

Aber einige sehen ihn und halten ihn auf:

Heute ist Sabbat, es ist dir nicht erlaubt, dein Bett zu tragen.

Das ist allen Ernstes der Ausgangspunkt des Streitgesprächs.

Sie finden heraus, dass Jesus dahinter steckt

und der entschuldigt sich nicht für den fauxpas,

sondern nennt auch noch Gott seinen Vater,

beschreibt die Aktion mit dem Bett sogar als Gottes Werk.

Durch ihn selbst.

Jesus.

Werkzeug.

Sprachrohr.

Sohn Gottes.

Bevor zu viele anfangen, ihm das zu glauben,

wollen sie ihn lieber töten.

 

Das ist der Kontext, in dem Jesus dann sehr klare Worte findet.

Ihr meint, ich würde euch vor Gott kritisieren?

Macht euch darauf gefasst, dass kein geringerer

als die höchste Autoritätsperson unserer Heiligen Schrift

euer Ankläger sein wird: Mose wird euch vor Gott verklagen.

Denn er schreibt: Höre Israel, (…) du sollst den HERRN, deinen Gott,

lieb haben von ganzem Herzen,

von ganzer Seele und mit all deiner Kraft.

Dem Geheilten sagen sie im Moment des größten Glücks:

Du darfst heute kein Bett tragen!

Und dem Heiler drohen sie:

Wir bringen dich um!

 

Da ist offensichtlich keine Liebe in ihnen.

Wer so mit seinen Mitmenschen umgeht,

kann doch nicht für sich in Anspruch nehmen, Gott zu lieben.

Er kann es zwar behaupten,

muss dann aber auch mit Widerspruch rechnen.

Das kann man nicht so stehen lassen.

Das ist nicht auszuhalten, nicht zu tolerieren.

Jesus glaubt ihnen, ihren Glauben nicht.

 

Sie nehmen ihn nicht auf,

vertrauen ihm nicht,

folgen ihm nicht.

Im Gegenteil.

Ihre Einstellung ist extrem

und sie denken nicht nur so im stillen Kämmerlein,

sondern sind auch zu extremistischen Taten bereit.

Sie bewegen sich in einem Umfeld,

das ihre Radikalisierung nicht nur toleriert, sondern auch gefördert hat.

Wie könnt ihr zum Glauben kommen,

wenn ihr Ehre voneinander empfangt und nicht die Ehre sucht,

die vom alleinigen Gott kommt?

Sie orientieren sich also daran, was unter ihren Freunden,

in ihren Familien, bei ihren Geschäftspartnern Anklang findet.

Das Streben nach Ehre bei diesen Menschen,

hält sie davon ab, Gottes Weg zu gehen, seine Ehre zu suchen

und seinem Weg zu trauen, zum Glauben zu kommen.

Dem Extremist der Liebe, Jesus Christus,

können sie nicht folgen, weil er sie in Frage stellt.

 

Woran glaubst du?

Es ist oft eine Herausforderung, diese Frage zu beantworten.

Mit der Antwort gebe ich etwas Persönliches preis.

Selbst wenn mein Gegenüber mich nicht bedroht,

spüre ich eine Unsicherheit.

Wird der andere mich in Frage stellen

oder kann er meine Antwort einfach so stehen lassen?

Ich kenne Leute, die lassen ihr Kind lieber nicht taufen,

weil sie ahnen, dass eine Taufe in ihrem Umfeld zu Streit führen könnte.

Sie wollen in einer angespannten Situation

nicht zwischen die Fronten geraten. Das finde ich verständlich.

In den letzten Jahren scheint es schwerer geworden zu sein,

über Glaubensthemen zu sprechen. Die Stimmung schlägt schneller um.

Es ist gefährlicher.

Andererseits ist es gerade deshalb wichtiger geworden,

den Dialog auf Augenhöhe zu suchen.

Gespräche zu führen,

in denen keiner eine Bedrohung für den anderen ist,

sondern ein offener Austausch möglich ist.

 

Es ist ja auch nicht so, als hätte das unter uns

eine besonders große Tradition.

Schon früher schwiegen manche lieber über ihren Glauben

und hielten ihn als reine Privatsache unter Verschluss

Ich treffe öfter auf Familien,

in denen wohl lange ein ungeschriebenes Gesetz galt,

nicht über (Geld, Politik oder) Religion zu reden.

Das ist eine nachvollziehbare Maßnahme,

wenn man Brüchen vorbeugen, Streitthemen vermeiden will.

Ich kann es wirklich nachvollziehen.

Aber es führt leider auch dazu, dass man sich

über zentrale Fragen des Lebens nie miteinander austauscht.

Und wenn in der Familie dann jemand stirbt,

sitze ich mit sprachlosen Angehörigen zusammen.

Sie wissen wenig darüber,

mit welchen Fragen und welcher Hoffnung

der Verstorbene aus dem Leben gegangen ist.

Und manchmal fehlt ihnen auch deshalb etwas,

das sie tröstet, woran sie sich festhalten könnten.

 

Jesus sagt: Euer Herz erschrecke nicht!

Glaubt an Gott und glaubt an mich!

In meines Vaters Hause sind viele Wohnungen. (Johannes 14,1-2)

Dieses Bild hilft mir meine Hoffnung in Worte zu fassen.

Ich glaube, dass Gott uns erwartet,

dass sein Haus, ein Zuhause für mich wird.

Und ich hoffe übrigens auch, dass es große Zimmer

und einen schönen Garten gibt.

 

Jesus sagt auch: Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben;

niemand kommt zum Vater denn durch mich. (Johannes 14,6)

Ich stelle mir auch die Frage, ob es nicht andere Wege geben kann.

Ist im Haus des Vaters nicht genug Platz für alle?

Ich hoffe das.

Der einzige Weg, über den ich jedoch Auskunft geben kann,

ist Jesus Christus.

Wenn ich über die Herausforderung rede,

die sein Wahrheitsanspruch mit sich bringt,

behalte ich im Blick, dass Wahrheit mitten auf dem Weg,

nur mitten im Leben zu finden ist.

Unterwegs kann sich manches wieder ändern.

Auf der Suche nach Wahrheit

wie es wirklich ist,

findet man endlich Klarheit,

bis man sie wieder vergisst.

(spaceman spiff „Vorwärts ist keine Richtung)

Wir können nur von dem reden,

was wir im Moment für wahr halten,

nach den Erfahrungen,

die wir bis hier her auf unserem Weg gemacht haben.

 

Also beantworte ich die Frage heute so: woran glaubst du?

Ich glaube an den, der Anfang und Ziel ist

der unterwegs niemanden verloren gibt.

An Jesus Christus und seinen heiligen Geist,

der sucht und findet und liebt.

An Leben auf ewig.

Amen.

 

weiter zur ARD Themenwoche 2017 „Woran glaubst du?“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*