Unter freiem Himmel

Ich saß da oben im Baum

wie ein ängstlicher kleiner Spatz

damals im Frühling,

frisches Grün und ich mitten drin.

Ich wollte ihn sehen.

Aber der Wind wirbelte mir die Blätter andauernd ins Gesicht.

Dann sah er mich.

Blickte mir in die Augen von da unten.

Du, komm mal runter.

Ich muss mit dir reden.

Und beim Essen redet sich’s immer noch am besten.

Er kam zu mir in mein Haus an diesem Abend.

Und ich kann’s euch immer noch kaum beschreiben.

Als er ging, war ich nicht mehr derselbe.

Dort oben im Baum hing ich

gefangen in meinen bisherigen Leben

und wusste nicht wie ich wieder runter kommen sollte.

Ich hatte meine Sicherheit im Geld gesucht

und mich dabei selbst verloren.

An diesem Abend habe ich zum ersten Mal seit sehr langer Zeit

wieder ruhig geschlafen.

Am nächsten Morgen stand ich vor dem Spiegel

und sah in mein Gesicht – endlich wieder.

Ich wusste einfach, dass mein Leben anders weiter gehen würde.

Und dann habe ich angefangen und versucht wieder gut zu machen,

was noch gut zu machen war.

Bin mit meiner Liste in der Hand von Haus zu Haus gegangen

und habe die Leute überrascht.

Die ich betrogen hatte, beschenkt.

Sein Besuch hat mich verändert und dafür danke ich Gott jeden Tag.

Den Baum, den gibt es noch. Es ist ein besonderer Ort für mich.

Ungefähr alle zwei Wochen gehe ich zu ihm

und erinnere mich an diesen Tag, als er kam und mich befreite.

 

nach Lukasevangelium 19,1-10 zu Christi Himmelfahrt 10.5.2018 

 

Foto: Fritz-Henkst
Foto: Fritz-Henkst
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