Ihr dürft stolz sein

Eine Predigt mit Jeremia 9,22-23

 

So spricht der HERR:

Wer weise ist, rühme sich nicht seiner Weisheit,

und der Starke rühme sich nicht seiner Stärke,

wer reich ist, rühme sich nicht seines Reichtums.

Sondern dessen rühme sich, wer sich rühmt:

einsichtig zu sein und mich zu erkennen,

dass ich, der HERR, es bin,

der Gnade, Recht und Gerechtigkeit übt auf Erden,

denn daran habe ich Gefallen.

Spruch des HERRN.

 

Steele ist schön. Steele ist stark.

Selbst eine so genannte Stadtsanierung hat nichts daran ändern können.

Steelenser sind zu Recht stolz auf ihren Stadtteil.

Die Menschen hier sind auch einfach spitze.

Es gibt großartige Geschäfte und Vereine und Kirchengemeinden.

Unsere evangelische Kirchengemeinde Königssteele

ist so eine lebendige Gemeinde mit fantastischen Ehrenamtlichen

mit leckeren Mettbrötchen am Samstag, bester Musik am Sonntag.

Ja, und die Predigten sind der Hammer, Weltklasse!

Nie langweilig, immer theologisch fundiert, nah an den Menschen,

relevant, emotional bewegend und manchmal sogar witzig.

Können sie darüber schmunzeln oder stinkt ihnen das?

Darf man sich selbst loben?

Gestehen sie sich selbst das zu?

Gestehen sie es anderen zu?

Ich habe viele Leute gefragt in der letzten Woche wie sie das sehen.

Oft fiel dabei der Satz «Eigenlob stinkt».

Jeder könnte wohl ein Lied singen von Menschen,

die man meidet, weil sie sich scheinbar ach so toll finden.

Das sind dann die, die als Erste zum Klassentreffen erscheinen,

um den ganzen Abend gut gelaunt

aus ihrem erfolgreichen Leben zu erzählen.

Eine klassische Art von Eigenlob, die stinkt:

von sich so eingenommen sein,

dass man gar nicht auf die Idee kommt zu fragen, wie geht’s dir denn,

sondern nur von sich erzählt.

Manche haben mir gesagt, sie finden Eigenlob in Ordnung,

weil es gut tut, auch mal stolz auf sich sein zu können.

Und dadurch wurde mir bewusst, dass viele bei der Frage

nach dem Selbstlob an ihr Selbstbewusstsein denken.

(Meine Tante schrieb mir auf facebook:)

Wenn mir etwas besonders gut gelungen ist, dann sag ich:

„Mensch Siggi, das hast du gut gemacht.“

Mir persönlich gibt es Tatendrang,

die Hoffnung, dass mir wieder etwas gut gelingt.

 

Selbstbewusstsein macht handlungsfähig.

Selbstsicherheit basiert darauf, dass ich weiß,

mir ist im Leben schon mal was gelungen.

Ich hatte schon mal Grund, stolz auf mich zu sein.

Also warum sollte ich jetzt im nächsten Level scheitern?

Ich kann einiges aushalten,

ich lasse mich nicht so leicht unterkriegen

und ich habe was drauf.

Schnell fallen mir Menschen ein, denen ich das unbedingt wünsche,

dass sie ein bisschen freundlicher mit sich selbst umgehen.

Sich selbst gut finden.

Zufrieden sind mit sich.

Sich Pausen gönnen, sich auch mal auf die Schulter klopfen.

(kurze Übung gefällig? Was ist mir in der letzten Woche gelungen? Was ist eine meiner persönlichen Stärken? Bitte einmal auf die eigene Schulter klopfen)

 

Und dann gibt es natürlich viele Zusammenhänge,

in denen man unbedingt von sich überzeugt sein muss

oder zumindest überzeugend wirken muss, um zu bestehen.

Nicht nur, wer ein Casting gewinnen

oder ein Bewerbungsgespräch überstehen will,

muss sich selbst anpreisen.

Jeder, der etwas verkaufen will, muss für sich und sein Produkt werben.

Ob Du ein Buch schreibst oder Kaffee kochst, ist relativ egal.

Du muss dich vermarkten.

«Den beste Cappuccino der Stadt»

«Den neuesten Stand der Forschung»

Kann man natürlich immer bei dem finden,

der das von seinem Angebot mit breiter Brust behauptet.

Wer sich dessen rühmt, was er anzubieten hat,

ist ganz normal und stinkt auch nicht.

Selbstbewusste Werbung in eigener Sache gehört dazu.

Vielleicht gibt es ab und an auch Leute,

die sich gar nicht verkaufen können

und trotzdem das Geschäft ihres Lebens machen.

Sehr unwahrscheinlich in unserer globalisierten

und digitalisierten Wirtschaft,

aber es könnte ja sein, dass es trotzdem noch mal geschieht.

Dann könnte dieser Mensch sein Glück doch kaum fassen.

Er wäre einfach zur rechten Zeit am rechten Ort gewesen,

hätte reichlich Stammkunden,

die die Qualität seines Kaffees nur ganz zufällig entdeckt haben

hätte die springende Idee vor allen anderen gehabt

und seine Thesen veröffentlicht, bevor sie jemand kopieren konnte.

So ein Glückspilz wäre vielleicht stolz auf sich und gleichzeitig dankbar.

Er wüsste ich kann was,

aber der Erfolg ist mir irgendwie auch in den Schoß gefallen.

 

Wir sind solche glücklichen Menschen irgendwie.

Wir können alle was.

Keiner muss sich verstecken, sich klein machen.

Als ich meine Frage nach dem selbst Loben

am Montag in unserem Seniorenzentrum, im Martineum, stellte,

Die erste Reaktion kam von einer Ehrenamtlichen,

die unsere Gottesdienste dort jede Woche begleitet:

Wenn man was Gutes gemacht hat,

das auch anderen nützt, dann darf man sich schon mal loben.

Schauen sie sich zum Beispiel mal unsere neue Bücherei an.

Da haben wir wirklich was Schönes zustande gebracht.

Ich habe mir die neue Bücherei später angeschaut.

Sie kann sich sehen lassen

und die Mitarbeitenden dürfen stolz darauf sein.

Die zweite Reaktion kam von einer Bewohnerin:

Wenn ich was geschafft oder etwas durchgestanden habe,

dann ist doch immer noch die Frage,

habe ich es ganz alleine aus eigener Kraft geschafft

oder wem habe ich es vielleicht noch zu verdanken?

 

Wer weise ist, rühme sich nicht seiner Weisheit,

und der Starke rühme sich nicht seiner Stärke,

wer reich ist, rühme sich nicht seines Reichtums.

Sondern dessen rühme sich, wer sich rühmt:

einsichtig zu sein und mich zu erkennen,

dass ich, der HERR, es bin,

der Gnade, Recht und Gerechtigkeit übt auf Erden,

denn daran habe ich Gefallen.

 

Hier spricht Gott:

Gnade, Recht und Gerechtigkeit auf Erden kommt von mir.

Moment mal, lobt Gott sich da gerade selbst?

Alles Gute, was die Welt zum Leben braucht, hat seinen Ursprung bei mir.

Stinkt’s, wenn Gott so was sagt?

Ich finde, bei ihm ist das in Ordnung.

Sein Eigenlob ist mir ein angenehmer Duft.

Also rühmt euch, mich zu kennen, mit mir verbunden zu sein.

Singt Halleluja und klopft euch selbst auf die Schulter,

weil ihr die Einsicht habt, in eurem Leben Beschenkte zu sein.

Beschenkt von mir mit Leben und mit guten Gaben.

Mir gefällt es, wenn ihr meine Geschenke weiter gebt,

wenn sie eure Lebensweise prägen.

Wie meine Gnade – seid euren Mitmenschen freundlich zugewandt.

So verhaltet ihr euch weise.

Haltet euch an das Recht, auch wenn ihr die Stärke hättet, es zu brechen.

Die Schwachen haben Rechte genauso wie die Starken.

Ich will nicht, dass das Recht des Stärkeren

euer Zusammenleben dominiert.

Sucht Gerechtigkeit.

Wo ihr reich seid, vergesst das Teilen nicht.

 

Ihr könnt etwas.

Steele ist schön. Steele ist stark.

Du bist schön. Du bist stark.

Du bist weise und du bist reich.

Glaub mir, ich sehe das in dir.

Beglückwünschen wir uns also selbst dazu, Gottes Gaben zu erahnen.

Unserem Schöpfer, Erlöser, unserer Trösterin

dem Ursprung aller guten Gaben gebührt unser Lob – Halleluja!

Amen.

 

 

Vielen Dank allen, die online und offline an der Entstehung der Predigt beteiligt waren. Der Austausch hat mir wirklich geholfen. Einige wichtige Aspekte verdanke ich darüber hinaus auch den Predigtmeditationen von Peter Bukowski und Jürgen Ebach. Danke auch an Andreas, der mich herausgefordert und ermutigt hat, es mit Soundcloud zu versuchen und Pascal, der mir geholfen hat den Player zum Einbetten auf dieser Seite zu finden.

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