Ich bete für euch

Eine Predigt zu Epheser 3,14-21
 
Er betet für uns.
Sie wussten schon, dass er es tut
aber es tut trotzdem gut, es noch einmal zu hören.
Ich beuge meine Knie vor Gott und bitte für euch.
Ich beknie Gott um Gutes für euch,
dass er euch Kraft gebe, innerlich stark zu sein,
dass Jesus Christus in euren Herzen wohnhaft bleibt,
dass ihr in der Liebe verwurzelt seid.
 
Auch Menschen haben Wurzeln.
Wurzeln suchen im Boden, Wasser und Nährstoffe.
Wie ein Menschenkind sich entwickelt,
hängt in erheblichem Maße von den Bodenverhältnissen ab.
Je mehr Liebe die kleinen Wurzeln finden,
umso besser sind seine Chancen, groß und stark zu werden.
Der Beter redet nun aber nicht von Größe und Gewicht
wie es Hebammen und Kinderärzte regelmäßig kontrollieren.
In seinem Fürbittengebet geht es ihm um den inwendigen Menschen,
um innere Stärke.
In einer Situation, in der Gläubige bedrängt werden,
geht es um Widerstandsfähigkeit,
um einen Glauben, der standhält auch gegen äußeren Druck.

Der in diesem Brief sein Gebet beschreibt
deutet an, dass er selbst im Gefängnis sitzt.
Sein Glaube hat ihn in den Knast gebracht.
Da braucht es Kraft, Durchhaltevermögen,
auch für die Glaubensgeschwister.
Seit er inhaftiert wurde, fürchten auch sie um ihre Freiheit.
Deshalb ist es jetzt umso nötiger,
dass die Wurzeln ihres Glaubens, die Liebe anzapfen.

Es gibt kein besseres Wort, um zu beschreiben,
welche Kraft uns mit Gott verbindet: Liebe.
Es ist das beste und doch ein schwieriges Wort,
weil wir alle Liebe kennen
und zugleich jeder seine eigene Vorstellung davon hat.
Was brauchen sie, um sich geliebt zu fühlen?
Wir könnten jetzt zahlreiche Antworten auf diese Frage sammeln.
Wir würden darin Gemeinsamkeiten, aber auch Unterschiede entdecken.
 
Ein Lied besingt die Antwort für mich besonders treffend:
Lass uns den Tag annehmen.
Auch wenn die Sonne untergeht, ist nichts verlorn
Du bist nicht verloren.
Ich seh am Horizont den,
den der niemand aufgibt.
Du bist nicht verloren.
 
Gott – der, der niemand aufgibt.
Einen Menschen niemals aufgeben, das ist Liebe.
So lieben Eltern.
Um realistisch zu bleiben, muss ich wohl sagen:
So wollen die meisten Eltern lieben,
immer zu ihrem Kind stehen, niemals aufgeben, was auch passiert.
 
So liebt Gott, der Vater, der seinen Sohn, Jesus Christus,
ins Leben zurück liebt, als alle ihn verlassen haben
und der Tod ihn schon umfangen hat.
Am Sonntag zwischen Himmelfahrt und Pfingsten
hören wir dieses Gebet, ein Gebet für Erwachsene.
Manche von ihnen sind vielleicht ganz frisch getauft,
am letztem Osterfest in ihrer Gemeinde in Ephesus.

Wir taufen heute ein Kind.
Gut fünf Monate alt ist Mia und hat noch ihr ganzes Leben vor sich.
Das Gebet um Kraft aus der Liebe Gottes
passt für Erwachsene, die mehr von Gott entdecken wollen
und mehr von seiner Liebe brauchen,
um auf ihrem Weg durchhalten zu können.
Ich finde, es passt genauso auch für Kinder.
Mia zum Beispiel wünsche ich sehr,
dass sie in der Liebe Gottes verwurzelt und gegründet ist.
Sie hat Eltern, Paten, unsere Gemeinde hier vor Ort.
Lauter Menschen, die ihr helfen können, zu entdecken,
was es heißt getauft zu sein.
 
Sie versprechen heute, gemeinsam Mia zu helfen auf ihrem Weg.
Jede und jeder von uns ist darauf angewiesen, Unterstützer zu finden.
Im Glauben gibt es keine Einzelgänger.
Die Taufe verbindet uns durch Christus zu einer heiligen Familie.
Hier in der Kirche erinnert uns ein kleiner Baum an Kinder und Erwachsene,
die hier getauft wurden. Dieser Apfelbaum erinnert uns an die,
mit denen wir verbunden sind. Auch ein kleines Foto von Mia kommt heute mit dazu.
 
Was uns verbindet können wir nur gemeinsam begreifen,
eine Liebe, die breit und lang und hoch und tief ist.
So könnt ihr mit allen Heiligen begreifen,
welches die Breite und die Länge und die Höhe und die Tiefe ist,
In drei Dimensionen ist eigentlich alles zu beschreiben,
was wir sehen können, was wir anfassen und erfassen können.
Die Liebe Gottes hat noch eine vierte Dimension.
Sie ist tief. Sie ist Kommunikation.
Es ist die Dimension unserer Beziehungen.
In Beziehungen empfinden wir tiefe Liebe für einander.
Ein neu geborenes Kind erobert die Herzen im Sturm.
Es wird älter und beginnt unsere Liebe zu erwidern.
Erwachsene genießen den Blickkontakt mit einem lächelnden Baby.
Und später blickt das Kind, das schon kein Kind mehr ist,
einem anderen verliebt in die Augen.
Wenn wir von einander Abschied nehmen müssen,
spüren wir besonders was uns verbindet.
Deshalb hoffen wir auf ein Wiedersehen mit unseren Lieben.
Nach einer langen Reise
ebenso wie dann wenn eine, ihre letzte Reise angetreten hat.

Liebe geht tief.
Berührt uns.
Verbindet uns.
Gott ist die Liebe.
Ein Gott, der aus Liebe Mensch wird, der den Tod überwindet,
übertrifft alle Erkenntnis mit seiner Liebe.
Solche Liebe ist zum Staunen.
Ganz verstehen kann sie niemand.
Aber es gibt Menschen, die haben die Kraft dieser Liebe kennengelernt
oder haben doch zumindest eine Ahnung von dieser Lebensenergie
und sie beten deshalb auch für andere.
Sie beten, dass andere diese Liebe erkennen, sie begreifen,
aus ihr leben und über sie staunen.

Taufpaten können auch solche Beter sein.
Fürbitter für ihre Patenkinder.
Ich lade sie jetzt ein zu einem stillen, gemeinsamen Gebet.
Lassen sie uns beten für unsere Patenkinder
und für alle, die wir Gott besonders ans Herz legen wollen.

(Gebet)

Amen.

 

Link zum Lied

„Du bist nicht verloren“ – Nasim

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