Gedämpfte, schwache Stimmen

Textcollage aus Matthäus 21,1-9 & Kantatentexten (BWV 36 & BWV 248/5) & einem Gebet von Jörg Zink als Predigt zu «Momente der Ewigkeit» 16.12.2018

 

Schwingt freudig euch empor zu den erhabnen Sternen,

ihr Zungen, die ihr iztz in Zion fröhlich seid!

Hosianna dem Sohn Davids!

Nun komm der Heiden Heiland

Hosianna in der Höhe!

 

Jubelgesänge, sie erheben ihre Stimmen,

sie lassen sich mitreißen in Begeisterung, da zieht er bei ihnen ein.

Eine sehr große Menge breitete ihre Kleider auf den Weg;

andere hieben Zweige von den Bäumen und streuten sie auf den Weg.

Doch haltet ein!

Der Schall darf sich nicht weit entfernen,

es naht sich selbst zu euch der Herr der Herrlichkeit.

Nun komm der Heiden Heiland

zu dir, zu mir.

Die Liebe zieht mit sanften Schritten sein Treugeliebtes allgemach.

Mein Herz die Braut und ER der Bräutigam.

 

Bist du bereit, mein Herz?

Zieht es dich hin zu ihm?

Willst du in steter Liebe mit ihm wallen?

Willkommen, werter Schatz!

Zieh bei mir ein!

Das soll’n die Herzen sagen.

Und was wenn nicht?

Was wenn mein Herz das jetzt nicht sagen kann?

Wenn ich das jetzt nicht sagen kann?

Wenn ich mich nicht weihnachtlich fühle

und an seinen Advent kaum glauben kann?

 

Auch daran hat Johann Sebastian Bach gedacht.

Ins Emporschwingen, in Liebesgesänge und Adventsvorfreude

hat der Meister eine Arie gesetzt:

Auch mit gedämpften, schwachen Stimmen wird Gottes Majestät verehrt.

 

gedämpfte, schwache Stimmen

man könnte auch sagen, ehrliche, menschliche Stimmen

Stimmen, die den Mund nicht zu voll nehmen

die Gott Gott sein lassen

sich selbst nicht überschätzen

sich freudig empor schwingen und dabei auf dem Boden bleiben

Gottes Geist schwingt mit.

Er schallet darbei

und er, Gottes Geist, lässt unseren Schall in Gottes Gehörgang dringen.

 

Wie könnte der Lobpreis solcher Stimmen klingen?

Nicht ohne Punkt und Komma immer weiter, immer mehr.

Sie machen auch mal Pause.

Denkpausen zwischen den Sätzen.

Lassen sich unterbrechen, hören zu.

Gedämpfte, schwache Stimmen reden zärtlich und genau.

Vielleicht klingt ihr Lobpreis so:

 

Ewiger Gott, Millionen Jahre waren bevor es mich gab.

Jahrmillionen werden vielleicht noch nach mir sein.

Irgendwo in ihrer Mitte sind ein paar Sommer,

in denen für mich Tag ist auf deiner Erde.

Für diese Spanne Zeit danke ich dir.

Ich habe kein Anrecht darauf, aber ich genieße sie.

 

Alles, was geschieht, ist ein Geschenk für mich.

Alle Wahrheit, die ich zu verstehen meine,

alle Musik, die ich spiele oder die andere für mich spielen,

wie ein Geschenk,

alle Liebe, die ich gebe oder empfange,

alle Lebenskraft, die mich erfüllt.

 

Alles, was mir einfällt, ist dein Gedanke.

Von wo sollte es mir einfallen, wenn nicht von dir?

 

Alles, was mir zufällt, ist deine Gabe.

Von wem sollte es mir gegeben werden, wenn nicht von dir?

 

Alles, was mir schwer aufliegt, ist dein Wille, für den ich dir danke.

Wer sollte es mir auflegen, wenn nicht du?

 

Was ich bin und habe, ist dein Wunder.

Denn in allem schaue ich dich, dein Geheimnis, deine Liebe.

Gott, ich danke dir von Herzen.

 

Ehre sei dir, Gott, gesungen,

dir sei Lob und Dank bereit.

Dich erhebet alle Welt,

weil dir unser Lob gefällt.

 

Amen.

 

Hier singt Nuria Rial (Sopran) mit John Holloway (Violine) die Arie „Auch mit gedämpften, schwachen Stimmen“ aus Johann Sebastian Bachs Kantate BWV 36 „Schwingt freudig euch empor“ Link zu Youtube