Es scheint ein helles Licht

Eine Predigt mit Jesaja 7,10-14 zu Weihnachten 2017

Da sitzt er auf einem Thron

in sich zusammen gesunken.

Hängt richtig in den Seilen.

Noch bin ich König. Ja.

Wann hab ich mich das letzte Mal gefühlt wie einer?

 

Er weiß es nicht mehr.

Und weiß auch nicht wie es jetzt weitergehen soll.

Er kann nicht mehr.

Und will nicht mehr kämpfen.

Von allen Seiten stürmen sie auf ihn ein.

Jeder kommt mit seinen guten Ratschläge.

Aber er will das alles nicht mehr hören.

 

Ahas, König von Juda im 8. Jahrhundert v.Chr.,

ist ein müder Mann.

Noch gar nicht so alt, aber in diesen Tagen

sieht er oft älter aus, als er ist.

Manchmal kann er es noch ganz gut überspielen.

Man muss ja auch irgendwie funktionieren,

wenn man Verantwortung trägt.

Eine Entscheidung wird von ihm verlangt.

Die Zeit läuft.

Sie kommen und er muss sich für eine Seite entscheiden:

Unterwerfung unter die assyrische Großmacht

oder kämpfen für die Unabhängigkeit

zusammen mit anderen kleinen Nachbarstaaten?

 

Und der HERR redete abermals zu Ahas und sprach:

Fordere dir ein Zeichen vom HERRN, deinem Gott,

es sei drunten in der Tiefe oder droben in der Höhe!

 

Ahas, du bist König auf dem Thron Davids.

Wenn du ein Zeichen brauchst,

um mir jetzt vertrauen zu können,

dann sag mir bitte, was du brauchst. Ich will’s dir geben.

Der sich manches Mal so geheimnisvoll gibt.

Der für Menschen so ferne Gott, kommt Ahas ganz nah.

Bietet ihm etwas an.

Gott, der HERR, kommt ihm entgegen.

Andere Male sagt er: wer bist du, dass du ein Zeichen von mir verlangst.

Aber Ahas reicht Gott die Hand und sagt:

Wenn es Dir hilft, dann fordere mich auf, dir ein Zeichen zu geben.

Aber Ahas ist zu müde, um wahrzunehmen, was Gott ihm da anbietet.

 

Ahas sprach: Ich will’s nicht fordern, damit ich den Herrn nicht versuche.

 

So ein Quatsch, will ich ihm zurufen.

So ein Unsinn. Gott hat es dir doch gerade eben angeboten.

Aber Ahas meint: Nein, ich möchte ihm nicht zur Last fallen.

Er reagiert auf eine Art, die sonst vielleicht die korrekte wäre.

Man soll von Gott keine Zeichen verlangen, steht auch in der Bibel.

Aber wenn doch derjenige, den es betrifft, dir selbst die Hilfe anbietet.

Welchen Sinn macht es dann, sie abzulehnen?

Der Prophet kann es nicht fassen.

 

Da sprach Jesaja: Wohlan, so hört, ihr vom Hause David:

Ist’s euch zu wenig, dass ihr Menschen müde macht?

Müsst ihr auch noch meinen Gott müde zu machen?

 

Das wäre der Moment gewesen für ein:

Okay Gott, wenn du wirklich auf meiner Seite bist,

dann lass es mich jetzt sehen.

Dann bring uns heil durch diese Nacht.

Jesaja lässt Ahas gar nicht mehr zu Wort kommen:

 

Darum wird euch der Herr selbst ein Zeichen geben:

Siehe eine Jungfrau wird schwanger

und wird einen Sohn gebären,

den wird sie Immanuel nennen.

 

Wir denken besonders an diesem heiligen Abend,

wenn wir das hören an Maria und ihren Sohn.

Aber wenn Jesaja schon damals diese beiden meinte,

was wäre das für ein schlechtes Zeichen.

Als ob Gott sagen würde: Ahas warte mal so gut 700 Jahre,

dann wird hier ganz in der Nähe ein Kind in einem Stall geboren

und dann lass ich euch auch extra noch einen Stern dafür kommen …

Ach Moment mal, dann bist du ja schon tot.

Sorry hatte ich gerade nicht dran gedacht.

Mensch, äh, das kriegst du ja gar nicht mehr mit.

 

Dieser Immanuel, dieses Kind wird natürlich in Ahas Zeit geboren.

Ein Zeichen für ihn: Gott-ist-mit-uns.

Das bedeutet sein Name.

Gott zeigt sich treu und zuverlässig.

Nur Ahas kann es nicht glauben.

Und ehe der Junge erwachsen ist,

ist es um den König und sein Land geschehen.


Aber Gott gibt niemals auf.

732 Jahre später

Propheten sind ein bisschen aus der Mode gekommen –

sendet Gott einen Engel zu einer jungen Frau.

Sei gegrüßt, du Begnadete!

Der Herr ist mit dir!

 

Maria erschrickt, ist verwundert und mit einem Mal hellwach.

Fürchte dich nicht, Maria!

Du hast Gnade bei Gott gefunden.

Du wirst schwanger werden und einen Sohn gebären,

dem sollst du den Namen Jesus geben.

 

Da sagt Maria nicht:

Ach lass mal, ich will dir keine Umstände machen, Gott.

Am Ende kriegst du wegen mir noch Probleme.

Die wache, junge Frau sagt:

Mir geschehe wie du gesagt hast.

Ich weiß zwar noch nicht wie,

aber wenn du es sagst, wird es wohl gut gehen.

Und der Engel sagt: Ja, bei Gott ist nichts unmöglich.

Es kann gut gehen und es wird gut gehen.

 

Es geht am Ende gut, ist aber kein einfacher Weg.

Maria bekommt das Kind, sie verliert ihren Sohn,

sie findet ihn wieder und muss ihn erneut loslassen.

Sie hängt an ihm und auch sie selbst zweifelt an ihm

und schwankt und weiß nicht, was das alles soll

und hält doch fest an dem, der ihr ein Zeichen gegeben hat.

 

Ich weiß zwar noch nicht wie,

aber wenn du es sagst, wird es wohl gut gehen.

Maria lässt sich auf Gottes Wege ein

und er bleibt sich und ihr treu.

Und andere sehen das Zeichen Gottes auch:

Hirten vom Felde,

Weise aus dem Morgenland,

Zwölf Jünger,

Männer,

Frauen,

Kinder.

Sie folgen ihm – hören ihn, sehen ihn

und ahnen in seiner Nähe: Gott ist mit uns.

Jesus wird ihr Immanuel

und unserer.

Obwohl wir 2017 Jahre später leben,

das Zeichen in seiner Person,

in seinem Leben und Sterben und Auferstehen,

es leuchtet wie ein helles Licht weit durch die Zeit.

Es leuchtet immer noch, weil von ihm erzählt wurde

und weil die Ersten weiter gegeben haben, was sie von ihm bekamen.

Es geht weiter und weiter und macht Mut und Hoffnung.

 

Mit jedem Weihnachtsfest erzählen wir neu

diese Geschichte, skizzieren in jeder Krippe

wie Gott uns ein Zeichen gibt.

Ich bin da.

Und ich bleibe bei euch, bis wir alle am Ziel sind.

Immanuel – Gott ist mit uns.

 

Ich will es heute Nacht wagen, ein Lied davon zu singen.

Es begleitet mich schon seit ein paar Jahren

und ich will es gerne mit ihnen teilen.

Das gesprochenen Wort der Predigt

mündet jetzt also in gesungene Worte.

Deshalb sage ich noch kein Amen.

Das Lied heißt: Es scheint ein helles Licht

und meine Lieblingszeile kommt erst in der zweiten Strophe:

Und wer den Mut verlor, den lässt es singen.

 

„Es scheint ein helles Licht“ (Lothar Kosse)
Link zu Youtube

 

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