Einfach so

Eine Predigt zu Lukas 1,26-45

 

Er ist da einfach so.

Mitten in ihrem Alltag.

Sei gegrüßt, du Begnadete!

Der Herr ist mir dir!

Er steht da einfach so in ihrem Zimmer.

Wo kommt er her?

Von Gott wird man später sagen.

Gabriel von Gott gesandt.

 

 

Du wirst schwanger werden, sagt er,

und einen Sohn zur Welt bringen,

und du sollst ihm den Namen Jesus geben.

Er wird auch Sohn des Höchsten genannt werden.

Maria hört einen Engel reden, aber sie ist nicht entrückt.

Sie ist ganz klar und fragt zurück: Wie soll das gehen?

Vielleicht muss man einem himmlischen Wesen ja erklären

wie das auf der Erde bei Menschen so läuft mit den Kindern.

Ich bin zwar einem Mann versprochen, verlobt,

aber wir schlafen noch nicht miteinander.

Sie sagt, was sie denkt,

auch wenn ein Bote Gottes vor ihr steht.

Zuerst hatte er sie schon etwas eingeschüchtert,

aber jetzt ist sie wieder ruhig und mutig.

In diesem Moment fürchtet Maria sich nicht.

Dann erklärt der Engel ihr

wie das im Himmel so läuft mit den Kindern

und mit dem himmlischen Kind, das zur Welt kommen soll.

Ganz besonderes Glück bedeutet ein Kind,

wenn man sehr lange darauf warten musste.

So lange, dass man eigentlich schon aufgegeben hatte.

Elisabeth, deine Verwandte, erlebt diese Gnade,

dieses Geschenk des Himmels gerade.

Bei Gott ist nichts unmöglich.

Jedes Kind ist ein Geschenk des Himmels.

Dein Kind, Maria, in ganz besonderer Weise.

Er wird König in Ewigkeit sein,

ein heiliges Kind,

Sohn des Höchsten, Sohn Gottes.

Willst du dich jetzt wirklich mit der Frage aufhalten

wie das biologisch gehen soll?

Maria ist für einen Moment sprachlos.

Hält inne.

Blickt zuerst nach unten und dann nach oben.

Auf ihren Bauch und zum Himmel.

Dann schaut sie den Engel wieder an.

Er sagt nichts mehr, aber Gabriels Gesichtsausdruck

spricht ihr noch einmal zu „fürchte dich nicht“

und da spürt Maria: Gott sieht mich.

Er hat die Niedrigkeit seiner Magd angesehen.

Gott sieht mich an einfach so wie ich bin.

Mir geschehe wie du gesagt hast.

 

Der Engel verschwindet ohne sich zu verabschieden.

Es ist alles gesagt. Sein Bild verblasst.

Und Maria will nun schnellstmöglich sehen, ob es stimmt.

Elisabeth soll in ihrem Alter endlich ein Kind bekommen?

Nach all dem Warten.

Nach all dem Gerede über ihre Schande.

Nach so vielen Tränen der Verzweiflung.

Wir oft hatte sie sich anhören müssen,

dass mit ihr ja wohl etwas nicht stimmen kann,

dass sie ja wohl keine richtige Frau sei und nicht gut genug

für Zacharias.

Er wusste es besser, blieb ihr treu.

Und es stimmt. Sie erwartet nun endlich ein Kind.

Im sechsten Monat ist sie schon,

hat es aber bisher versteckt,

so dass Maria noch nicht davon wissen konnte.

Jetzt kann und will Elisabeth es nicht mehr verheimlichen.

In ihrer überschwänglichen Freude

empfindet sie sogar die Tritte ihres Babys als Freudensprünge.

Als ich die Stimme deines Grußes hörte, hüpfte das Kind vor Freude.

Gottes Geist flüstert es ihr in diesem Moment

und sie spricht Marias süßes Geheimnis aus.

Gepriesen bist du, gesegnet sei dein Kind.

Selig bist du, die du geglaubt hast!

Denn es wird vollendet werden, was dir gesagt ist von dem Herrn.

 

Mit Maria und Elisabeth beginnt die Vorgeschichte.

Lukas, der Evangelist, erzählt so gut er kann von Anfang an

was die Leute über Jesus sagen.

Voller Glauben sind die Überlieferungen.

Johannes, der Täufer muss auch erwähnt sein.

Und Elisabeth, seine Mutter,

für die der Zug doch eigentlich längst abgefahren war,

ihre biologische Uhr hatte ausgetickt.

Und dann Maria, die doch noch viel zu jung war,

deren Zeit doch eigentlich erst noch kommen sollte.

Aber Gottes Timing ist anders.

Zu jung, zu alt, das sind unsere Kategorien.

So ziehen wir Grenzen und sortieren die Menschen ein.

Elisabeth und Maria sind die Richtigen einfach so.

Das heißt Gnade – Gott ist da einfach so.

Er ist in deinem Leben.

Sein Engel kommt zu dir nach Hause einfach so.

Er überrascht dich.

Warum ich?

Womit habe ich das verdient?

Darum geht’s nicht, ich schenk’s dir einfach so.

 

Maria singt ihren Lobgesang als eine Frau,

die von anderen leicht übersehen wurde,

auf die mancher auch herabsah,

weil sie so ein armes Ding war.

Sie singt für sich und für Menschen wie sie,

die ohne Ansehen sind.

Sie singt für Menschen wie Elisabeth,

die respektlos behandelt werden.

Denen es schwer fällt, sich selbst anzunehmen

und ihr Leben so wie es ist zu leben.

Sie singt für Menschen,

die am unteren Rand leben.

Die gerne etwas verändern würden, aber nicht wissen wie,

weil scheinbar niemand auf sie hört.

Meine Seele erhebt den Herrn, und mein Geist freut sich Gottes meines Heilandes;

denn er hat die Niedrigkeit seiner Magd angesehen.

Siehe von nun an werden mich selig preisen alle Kindeskinder.

 

Maria singt von dem, der niemand aufgibt.

Der in den Kleinen Großes sieht.

Der auch auf den kleinsten Mann hört und die kleinste Frau.

Der die Höhenflüge der Mächtigen beendet

und den Machtlosen Flügel schenkt.

 

Auch in diesen Tagen kommen seine Engel,

sind einfach so da.

Sie reden und segnen,

legen die Hand auf deine Schulter

und schweigen mit dir.

Sind einfach an deiner Seite.

Sie machen etwas zu essen,

trinken morgens einen Kaffee mit dir.

Sie sagen, du bist begnadet

die Welt braucht, was du zu geben hast.

Auch in diesen Tagen kommen Engel in unsere Häuser,

renovieren, was zerbröckelt ist.

Malen Schönes an die Wände.

Schreiben: Fürchte dich nicht.

Und: Der Herr ist mit dir.

Es wird vollendet werden, was er dir gesagt hat.

Und wir flüstern: Gut, ich will dir vertrauen.

Kein Ding ist unmöglich bei Gott.

Amen.

 

 

(Wesentliche Ideen für diese Predigt verdanke ich Birgit Mattausch.)

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