Auferstanden

Eine Predigt zum Ostersonntag mit Matthäus 28,1-10

und Bachkantate (BWV 4)

 

Christ lag in Todesbanden

Sie hatten ihn begraben.

Jetzt wollen sie nach ihm sehen

und sehen einen weiß wie Schnee.

 

Matthäus erzählt von einem Engel.

Die Erde bebt, als er vom Himmel kommt.

Jetzt sitzt er auf dem Stein und redet mit den Frauen,

sagt: Fürchtet euch nicht!

Ich weiß, dass ihr Jesus, den Gekreuzigten sucht.

Er ist nicht hier; er ist auferstanden, wie er gesagt hat.

Wahrhaftig auferstanden!

Er ist nicht hier, nicht tot,

auch nicht zurückgekehrt ins alte Leben,

ist auferstanden in ein neues.

Er will euch aber wiedersehen.

Er geht vor euch hin nach Galiläa,

dort werdet ihr ihn sehen.

 

Die Frauen begegnen ihm gleich im nächsten Augenblick.

Sie fallen vor ihm nieder, fassen seine Füße, die durchbohrten, an.

Und wenig später sehen auch die Jünger ihn.

Johannes erzählt wie einer seinen Finger sogar in die Wunde legt.

Thomas zweifelt noch bis er die tiefe Seitenwunde spürt.

Die Lanze hatten sie in seinen Oberkörper gestochen,

um ganz sicher zu sein, dass er auch tot war.

Jüngerinnen und Jünger sehen und berühren den Auferstandenen.

Sie sehen das Licht des Ostermorgens und auch die Spuren der Nacht.

Das neue Leben und die offenen Wunden.

Das Licht des neuen Tages scheint wie die Sonne durch einen Riss der Mauer.

Sein Körper ist vom Kampf gezeichnet.

Es war ein wunderlicher Krieg, da Tod und Leben rungen.

Das Leben, des behielt den Sieg. Es hat den Tod verschlungen.

 

Der Text der Bachkantate handelt von Tod und Leben.

Sieben Verse, eine göttliche Zahl

und in den ersten fünf ist wörtlich noch vom Tod die Rede.

Das hat mich erst einmal gewundert:

Ostern, Auferstehung feiern und dann so viel Sterben,

Christ lag in Todesbanden?

Der Text hat eine lange Geschichte,

die Verse, die Johann Sebastian Bach vertonte,

gehen auf Martin Luther zurück.

Seit 1524 ist sein Osterlied mit diesem Text bekannt.

Was dieses Leben dunkel macht,

es geht in Luthers Text nicht gänzlich unter.

Das Licht des Lebens aber es scheint immer heller.

So ist die Auferstehungsfreude gut geerdet.

Halleluja singen die, die mit dem Sterben leben.

Der Osterjubel ist nicht abgehoben, er erhebt sich hier in diesem Leben.

Der Komponist, Johann Sebastian Bach, ist dem Tod in seinem Leben

schon sehr früh begegnet. Bereits als Kind.

Er ist erst neun Jahre alt, als seine Eltern beide sterben.

Als Vater muss er elf Kinder zu Grabe tragen.

Es gibt also auch für ihn persönlich keine Auferstehungshoffnung

ohne diesen harten Realismus,

keinen Glauben ohne schmerzhafte Verluste,

aber wohl doch Vertrauen trotz allem.

Soli deo gloria.

Alleine Gott die Ehre, was immer auch geschehen mag.

 

Im vierten Vers, in der Mitte der Kantate,

ist der Tod dann endlich bezwungen.

Das Leben das behielt den Sieg.

Es hat den Tod verschlungen.

Eine Witzfigur wird aus ihm gemacht.

Die Stimmen des Chores machen sich über ihn lustig

und loben Gott: Halleluja. Halleluja. Halleluja.

Dann noch ein ernster Blick auf das Geschehen:

Hier ist das rechte Osterlamm (…)

Das ist hoch an des Kreuzes Stamm in heißer Lieb gebraten.

Brennende Wunden. Gebrochene Knochen. Geronnenes Blut.

Die Verletzungen des Karfreitags zeichnen Jesus noch am Ostermorgen.

Verletzlich, sterblich ist das Leben, dem Gott die Treue hält.

Das neue Leben entsteht nicht am alten vorbei.

Das Bisherige wird nicht entwertet, sondern verwandelt.

Unzerstörbaren Wert behält auch das Alte, Vergängliche.

Denn das unvergängliche Leben geht aus ihm hervor.

Der Gekreuzigte ist der Auferstandene.

Durch dieses alte Leben führt der Weg ins neue.

Unsere Toten werden auferstehen.

Unsere alte Welt wird neues Leben sehen.

So feiern wir das hohe Fest mit Herzensfreud‘ und Wonne,

dass uns der Herre scheinen lässt, er selber ist die Sonne,

der durch seiner Gnade Glanz erleuchtet unsere Herzen ganz.

 

Du sagst: Ich bin das Licht

Komm leuchte in mein Herz.

Hell wie der Engel am Morgen weiß wie Schnee.

There’s a crack in everythin‘

that’s how the light gets in. (L. Cohen)

Lass dein Licht leuchten durch den Riss in meinem Leben.

Durch meine brüchigen Knochen.

Durch meine löchrige Seele.

 

Jesus geht voran.

In Galiläa werdet ihr ihn sehen.

Wir haben eine neue Osterkerze in die dunkle Kirche getragen heute Morgen.

Wir tragen das Osterlicht in unser Galiläa.

Jetzt.

Hier.

Heute.

 

Wer, wenn nicht wir, die wir Ostern feiern, erzählt dieser Welt vom Leben.

Er sagt: Ich bin das Brot.

Und stärkt uns für den Weg.

Wir essen und wir leben wohl im rechten Osterfladen.

Jesus Christus. Fladenbrot. Himmelsspeise.

Christus will die Koste sein und speisen unsere Seel‘ allein.

 

Ich will an Ostern glauben. An das Leben.

An das, was kommt. Mit allen Narben der Vergangenheit.

Ich will von Ostern reden.

Davon erzählen, das Osterlicht mit allen teilen,

die ich in meinem Galiläa sehe,

in meinem Steele und bis an die Enden der Welt sollen alle das Licht sehen.

Christ lag in Todesbanden und er ist auferstanden – Halleluja!

Amen.

 

„Christ lag in Todesbanden“ Johann Sebastian Bach (YouTube)

„Anthem“ Leonhard Cohen (YouTube)

Schreibe einen Kommentar